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OERde16: Blick zurück nach vorn

Der Eingang zum OERde16-Festival, Landesvertretung Schleswig-Holstein, (Foto von Thomas Trutschel, Photothek unter CC BY 4.0-Lizenz)

OERde16, ein dreitägiges „Festival“, in dem zu OER in Deutschland – und über den nationalen Tellerrand hinaus – informiert, diskutiert, polemisiert, aber auch ausgezeichnet, gewürdigt und gefeiert wurde. Nun hat die Transferstelle OER eine ausführliche informative und unterhaltsame Dokumentation des OERde16 zusammengestellt. Das OERde16 bestand aus zwei Teilen: einem zweitägigen BarCamp (=OERCamp) – einer so genannten Unkonferenz, bei der die Programminhalte der Sessions (hier die Sessionpläne) zum Tagesstart von den „Teilgeber/innen“ erst ad hoc zusammengetragen werden – und einem Fachforum am dritten Tag, das ein sehr abwechslungsreiches Programm mit Vorträgen und Diskussionsforen (sog. Thementischen) bot, das nahezu alle wissenschaftlichen und praktischen Perspektiven auf das Thema OER abzudecken vermochte und in dessen Rahmen auch erstmalig der OER-Award in einer Vielzahl von Kategorien verliehen wurde.

Ein Storify der Bundeszentrale für politische Bildung vermittelt sehr schön die kreative Gestaltung und angeregte Diskussions- und Arbeitsatmosphäre der Veranstaltung. Und wer das Geschehen noch detaillierter nachvollziehen will, kann dies über den Twitter-Hashtag #OERde16 tun

Die Dokumentation enthält sehr unfangreiche Mediensammlungen zum Fachforum und zur Preisverleihung, seien es Fotos (auf der Website, Twitter und Instagram), Podcasts oder Videos. Für die Podcast-Serie „zugehOERt“ spricht Moderatorin Alexandra Hessler in einer ersten Folge aus dem Sendebus des OER-Festivals mit André Hermes (@medienberater) und Wolf-Dieter Zimmermann (Free Software Foundation Europe) über Lehrende, OER-Werkzeuge und „Verführungsstrategien“.

Transferstelle OER, Podcast-Folge 27 aus der Reihe "zugehOERt"

Transferstelle OER, Podcast-Folge 27 aus der Reihe „zugehOERt“

 

Der offizielle OERde16-Film soll in Kürze erscheinen. Bis dahin gibt es einiges an Videodokumentation auf dem YouTube-Kanal der Transferstelle. Hier finden sich bereits die „Abendgala“ der Verleihung aller OER-Awards und die Panelbeiträge aus dem Saal, die sich ausführlich mit den Themen Infrastruktur und Internationale Erfahrungen mit OER wie auch mit Lizenzierungsfragen und Geschäftsmodellen beschäftigten. Sehr interessant der (auch als Printversion) zur OERde16 erschienene OER-Atlas, der als eine Art Branchenverzeichnis Akteure und Aktivitäten in den D-A-CH-Ländern nach Bildungsbereichen gegliedert dokumentiert. Der OER-Atlas soll künftig auf Basis der OER-World-Map fortgeführt und ausgebaut werden, einem von der Hewlett Foundation geförderten Projekt des Hochschulbibliothekszentrums NRW zur Kartierung der OER-Entwicklung weltweit. Hierzu auf dem OERde16 im Interview der Projektleiter Jan Neumann:

 

Schließlich listet die Dokumentation auch eine ganze Reihe von interessanten Textbeiträgen im Vorfeld des Festivals und zu dessen Nachlese auf (Vor- und Nachberichte). Stellvertretend sei hier auf den Beitrag des „ebildungslabors“ hingewiesen, der neben dem Hinweis auf die beiden von der Bildungspolitik initiierten Studien zu OER-Infrastrukturen (DIPF) und zur Implementierung von OER-Praxis (WMDE) weitere bedenkenswerte Punkte zur Fortsetzung des OER-Diskurses benennt: die breitere Verankerung von OER-Nutzung im Bildungssystem, die Verbindung von OER mit partizipativen didaktischen Konzepten und die Unterstützung der Möglichkeit zum Remixen von OER, sowohl hinsichtlich geeigneter technischer Formate als auch der Befähigung von Lehrenden und Lernenden zum didaktisch-kreativen Umgang mit digitalen Bildungsmedien.

CC-BY-SA

Europe goes OER. Welchen Weg geht Deutschland?

OER goes Europe IntroPic

Unter diesem Titel wurde letzten Donnerstag (3.4.2014) in Berlin in den gut besuchten Räumen von Wikimedia Deutschland die Neuauflage des OER-Whitepapers für Schulen in Deutschland präsentiert, das in einer ersten Fassung 2012 erschien. Neben der Vorstellung des „neuen“ Whitepapers durch einen der Autoren, Jöran Muuß-Merholz, konnte von den Veranstaltern für den Abend ein weiterer hochkarätiger Redner gewonnen werden: Fred Mulder, Lehrstuhlinhaber des UNESCO Chairs für Open Educational Resources an der Open Universiteit der Niederlande, der seine Ideen zu Open Education im europäischen und weiteren internationalen Kontext vortrug. Die beiden OER-Experten diskutierten anschließend mit dem Publikum eine weitere Stunde zum Thema des Abends. Weiterlesen

OER-Schulbuch via Crowdfunding

Das Projekt Schulbuch-O-Mat will das erste offene und freie elektronische Schulbuch Deutschlands publizieren – ohne Urheberrecht, alles frei zu verwenden und zu kopieren (unter der Creative Commons-Lizenz CC BY). Als Pilotprojekt ist ein Biologiebuch für die Klassenstufe 7/8 geplant, das mit dem Berliner Lehrplan konform sein und im Schuljahr 2013/2014 vorliegen soll. Die meisten Inhalte sollen bundesweit im Biologieunterricht der Sekundarstufe I verwendet werden können. Im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne wurde hierzu über 10.000 Euro Basiskapital gesammelt. Es haben sich 30 freiwillige Autor/innen, Wissenschaftler und Medienexperten zusammengefunden, um das Buch zu konzipieren, verfassen und wissenschaftlich zu begleiten, sogar mit Unterstützung des bmukk. Das eingesetzte Autorenwerkzeug ist eine modifizierte MediaWiki-Plattform namens Loop, die vom Lübecker oncampus bereit gestellt wird, eine iBooks-Version und eine App mit Quiz und Lernkartei sind ebenfalls vorgesehen. Nachdem in letzter Minute das Startkapital zusammengekommen ist, darf die Entwicklung dieses Graswurzelprojekts weiter gespannt verfolgt werden, u.a. auf Twitter.

Weitere Infos:

Video: Schulbuch-o-mat, CC-BY,
Music by „Revolt“ (Remix Music) / CC-BY 3.0, http://soundcloud.com/remix_music

Offene Bildungsinhalte auf Edutags

„Encourage the development of user-friendly tools to locate and retrieve OER that are specific and relevant to particular needs“, heißt es in der Pariser OER Deklaration der UNESCO vom Juni dieses Jahres. Edutags versucht, mit einem Bestand von derzeit über 1000 offenen Bildungsressourcen im deutschsprachigen Raum dazu beizutragen. Damian Duchamps beschreibt in seinem Blog eine Reihe von Modellen, wie sich offene Bildungsinhalte (=Open Educational Resources, kurz OER)  systematieren lassen. Die Umsetzung eines dieser Modelle wird mit Edutags, dem Social Bookmarking Tool für Lehrkräfte,  mittels eines Crowdsourcing-Ansatzes verfolgt.
In Bildungskontexten verwendbare Webressourcen werden von Lehrkräften als Lesezeichen in Edutags eingetragen und können direkt mit Tags verschlagwortet, mit Erläuterungen versehen und mit einem Sternerating bewertet werden. Damit wird den Forderungen der von Duchamps beschriebenen Systematisierungsmodelle nach Findbarkeit und Vergleichbarkeit – über die Möglichkeit einer explorativen Suche mit Tag-Filterung bzw. Drill-Down -, und auch der Qualitätskontrolle – über die kollaborative Auswahl, Beschreibung und Bewertung – der eingetragenen Ressourcen entsprochen.
Und um auch die rechtlich unbedenkliche Verwendbarkeit und ‚Remixability‘ der mit Edutags recherchierbaren Inhalte zu erleichtern, gibt es jetzt einen speziellen Bereich von Ressourcen, die unter der Creative Commons-Lizenz stehen. „Mit dieser Lizenzierung ist sichergestellt, dass Dritte die Möglichkeit haben, die Unterlagen kostenlos herunterzuladen, weiterzugeben, zu verbessern und diese Verbessserungen wiederum zugänglich zu machen.“ (D 64: Digitale Lehrmittelfreiheit).

Wie Lehrkräfte schnell zu passenden CC-Materialien in Edutags gelangen und welche Arten von Inhalten dort zu finden sind, zeigt der folgende Screencast.

OER: „Rip, Mix, Share“ für die Bildung

Das preisgekrönte Video veranschaulicht die Möglichkeiten einer Wissensallmende (Open Educational Resources = OER) für gemeinsames und grenzüberschreitendes Lehren und Forschen:

In ihrem Blogpost zum Vergleich traditioneller und digitaler Schulmedien verdeutlichen Felix Schaumburg und Jöran Muuß-Merholz das Dilemma von sich anbahnender neuer digitaler Schulkultur und dem gegenwärtigen Urheberrecht, für das OER einen Lösungsansatz bieten könnten. Das Zusammenstellen geeigneter Materialien z.B. in Form von Arbeitsblättern mittels Kopierer, Schere, Kleber und wieder Kopierer wird für einen binnendifferenzierten und individualisierten Unterricht immer mehr benötigt. Wenn aber dieses Tun von analog zu digital wechselt, „die Unterrichtsvorbereitung zunehmend digitale Wege [geht]“, geraten LehrerInnen in gefährliches urheberrechtliches Fahrwasser. Die Diskussion um den Schultrojaner zeugt davon. Bevor aber OER sein „Heilsversprechen, das pädagogische und digitale Welt versöhnen könnte“, einzulösen imstande ist, sind eine Vielzahl von Aufgaben und Problemen zu bewältigen. Was sind die passenden Lizenzen, wer produziert gute OE Ressourcen, wie lassen sich OER mit (Teilen von) Verlagsprodukten kombinieren, wer könnte als OER-Clearinghouses auftreten, d.h. welche Instanzen bzw. Organisationen wären geeignet und imstande, OER zu aggregieren, distribuieren und auf Qualität zu prüfen.
In Ergänzung zu dem im März 2012 erschienenen Whitepaper zu OER geht diesen Fragen auch die an der Universität Graz entstandene Diplomarbeit von Barbara Rossegger nach. Dort wird insbesondere die deutschsprachige Bildungslandschaft auf ihre Lehr- und Lernangebote für den sekundären Bildungsbereich im Internet untersucht, allerdings mit Schwerpunkt (nicht so überraschend) Österreich.
Die mit Unterstützung durch die UNESCO durchgeführte Survey on Government OER Policies versucht eine Bestandaufnahme der OER-Bestrebungen in der ganzen Welt zu leisten, die aber leider bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und angesichts der Kürze des Dokuments nur sehr knapp und selektiv über die Entwicklungen einzelner Länder berichten kann. Deutschland hat übrigens an der Befragung nicht teilgenommen, befindet sich damit aber in guter Gesellschaft zahlreicher europäischer Nachbarn.

Leseforschung und Informationskompetenz

Der BildungsserverKanal auf YouTube bietet jetzt 2 neue Playlists zu den Themen „Leseforschung“ und „Informationskompetenz“. In der „Leseforschung“ ist die vierteilige Dokumentation eines Projekts zur Förderung der „Lesemotivation bei Jungen und Mädchen“ zu sehen. Von 2007 bis 2010 wurde an sechs Schulen in Sachsen das „Projekt zur Entwicklung einer geschlechtersensiblen Pädagogik“ von 2007 bis 2010 durchgeführt. Der Film dokumentiert den Verlauf dieses sächsischen Schulprojektes zur Entwicklung geschlechterbewusster schulischer Arbeit. Die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer widmeten sich während des dreijährigen Projektes in besonderem Maße der Erhöhung der Lesemotivation von Jungen und Mädchen und der Entwicklung der Sozialkompetenz ihrer Schülerinnen und Schüler. Hier sehen Sie Teil 1:

Die Playlist „Informationskompetenz“ enthält zum Auftakt 2 Filme ganz unterschiedlichen Genres. Da ist zum einen der didaktische Animationsfilm aus der Reihe „Naturwissenschaften entdecken!“ der Initiative Schulen ans Netz, der aus Fördermitteln des Deutschen Bildungsservers co-finanziert wurde. Die Tech Pi und Mali Bu-Episode „Das Inforadar“ regt dazu an, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass eine Auswahl nötig ist, um richtige und falsche, brauchbare und unbrauchbare Aussagen zu einem bestimmten Thema zu unterscheiden. Weitere Unterrichtsanregungen und Arbeitsmaterialien finden sich auf der Begleitseite von Lehrer online.
Im zweiten Film ist ein Interview mit dem Medienpädagogen Prof. Dr. Horst Niesyto zu sehen, in dem er die zentralen Forderungen der Initiative „Kein Bildung ohne Medien“ erläutert, die im Jahr 2009 mit der Veröffentlichung des „Medienpädagogischen Manifests“ startete. Der Film konnte mit freundlicher Genehmigung des YouTube-Kanals MediaCulture-Online in die Playlist aufgenommen werden, der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg redaktionell betreut wird. Der Kanal bietet eine ganze Reihe weiterer interessanter Interviews, wie z.B. mit Frank Schirrmacher oder Markus Beckedahl, es lohnt sich, dort mal vorbei zu schauen.

Klimawandel kurz erklärt – aus der Reihe WissensWerte

Das Video zum Thema „Klimawandel“ erläutert in knapper Form, was genau der Klimawandel eigentlich ist, wie er entsteht, und was dagegen getan werden kann. Der Kurzfilm ist ein weiterer Beitrag aus der Reihe „WissenWerte – Animationsclips zur politischen Bildung“ des Portals e-politik.de.

Nach dem Klimagipfel in Durban im Dezember 2011 verbreitet sich immer mehr Skepsis, ob der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur noch auf zwei Grad begrenzt werden kann. Informationen zum 2-Grad-Ziel, zum Treibhauseffekt und dessen Ursachen sowie einen umfassenden und systematischen Überblick zum Thema „Klimawandel“ bietet das Klimawiki des Deutschen Bildungsservers

Beim Deutschen Bildungsserver gibt es auch ein ausführliches „Dossier zum Wissenschaftsjahr 2012: Zukunftsprojekt ERDE“ mit Informationen zu den Themen Nachhaltigkeit und Umweltbildung aus den Bereichen Elementarbildung, Schule, Berufsbildung und Hochschulbildung sowie ein spezielles Angebot für internationale Nutzerinnen und Nutzer

Der Social Bookmarking-Dienst Edutags bietet eine Fülle von Lehr- und Lernmaterialien auch zum Thema Ökologie (s.u. Tag-Cloud); in Edutags gibt es darüber hinaus noch einen speziellen Bereich mit Creative Commons Ressourcen, in dem auch eine Reihe von Bookmarks zu finden sind, die den Tag „Klimawandel“ enthalten.

Rousseau: Pädagogik und Demokratie

Heute vor 300 Jahren wurde Jean-Jaques Rousseau in Genf geboren, vor 250 Jahren erschienen seine Werke zur Staatsphilosophie, Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes, und zur Erziehung, Emile oder über die Erziehung. Die aktuelle Dokumentation von ARTE versucht sich dem vielgestaltigen Klassiker zu nähern, indem Auszüge aus Rousseaus autobiografischen, gesellschaftskritischen und -theoretischen Schriften ebenso einbezogen werden wie Kommentare von Rousseau-Spezialisten, die die Gedankenwelt Rousseaus im Kontext unserer Gegenwart erläutern.

ARTE hat die Dokumentation derzeit leider aus dem Netz genommen, hier der Link zur Filmbeschreibung. Das Video gibt es aber *noch* auf einer bekannten Video-Plattform im Internet zu sehen 🙂

Weiter nachgefragt, was Rousseau außer seinem musealen Klassikerdasein und den diesjährigen Genfer Feierlichkeiten der Gegenwart aus der Ferne des 18. Jahrhunderts überhaupt noch zu sagen hat, dann ist das vielleicht weniger seine Rolle als „Held der Gegenöffentlichkeit“, die ihn zum Vordenker der Empörten mit Guy-Fawkes-Maske macht – wie von Iring Fetscher im Spiegel (26/2012) gedeutet. Eher könnten die Jubiläen gerade seiner beiden Werke „Emile“ und „Du Contract Social“ Anlass geben zu erneutem Nachdenken über den vernachlässigten Zusammenhang von Pädagogik und Philosophie. Weiterlesen