Gastbeitrag: Prof. Dr. Beatrice Rammstedt & Daniela Ackermann: PIAAC – Grundkompetenzen Erwachsener: Ergebnisse und Ausblick

17.12.2013 Hirschmann Abgelegt in Bildung, Bildungsbericht, Bildungsforschung, Bildungspolitik, Chancengleichheit, Diskussion, Erwachsenenbildung, Forschung, Kompetenz, Lebenslanges Lernen, NEPS, OECD, PIAAC, Weiterbildung | Kommentieren » |

Seit der Veröffentlichung der PIAAC-Studie wird die Expertise der Projektleiterin für PIAAC in Deutschland Prof. Dr. Beatrice Rammstedt und ihrer Mitarbeiterin Daniela Ackermann permanent sehr stark nachgefragt. Aber sie haben nun Zeit gefunden, unserer Bitte nachzukommen, und sich zu einem Beitrag über PIAAC bereit erklärt. Wir freuen uns sehr, dass damit die Reihe der Gastbeiträge im bildungsserverBLOG zu PIAAC fortgesetzt werden kann, und wünschen eine interessante Lektüre.
Noch ein Hinweis: beim Deutschen Bildungsserver steht ein Dossier zu PIAAC zur Verfügung mit direkten Verweisen auf die Studie, die Kurzfassung, zur Vorgeschichte und einer Auswahl an Stellungnahmen.

Prof_Dr_Beatrice_Rammstedt

 

Prof. Dr. Beatrice Rammstedt ist Projektleiterin (NPM) für PIAAC in Deutschland und Professorin für Psychologische Diagnostik, Umfragedesign und Methodik an der Universität Mannheim sowie wissenschaftliche Leiterin der Abteilung Survey Design and Methodology bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.

 

 

Daniela_Ackermann

 

Daniela Ackermann ist wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im nationalen PIAAC-Team bei GESIS.

 

 

 

PIAAC wurde bereits 2008 von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) initiiert. Am 8. Oktober 2013 wurden nun die Ergebnisse der Studie veröffentlicht, welche in mehr als 20 Ländern Grundkompetenzen Erwachsener im internationalen Vergleich untersuchte. Zum ersten Mal liegen mit PIAAC nun international vergleichende Daten von sehr hoher Qualität über die zentralen Grundkompetenzen Erwachsener vor. Dabei standen Lesekompetenzen, alltagsmathematische Kompetenzen sowie Problemlösekompetenzen im Kontext neuer Technologien im Fokus. Sie bilden eine wichtige Grundlage für die Entwicklung zahlreicher weiterer spezifischer Kompetenzen und Fertigkeiten.

Ergebnisse für Deutschland
Im internationalen Vergleich liegen die Grundkompetenzen für Deutschland in allen drei Domänen mehr oder minder im durchschnittlichen Bereich. So zeigen die Ergebnisse, dass Deutschland eine leicht unterdurchschnittliche Lesekompetenz, eine leicht überdurchschnittliche alltagsmathematische Kompetenz und eine durchschnittliche technologiebasierte Problemlösekompetenz aufweist.

Das unterdurchschnittliche Abschneiden Deutschlands im Bereich der Lesekompetenz ist hauptsächlich durch Schwächen im unteren Leistungsbereich begründet. Bei den leistungsschwächsten Viertel der Deutschen verdoppelt sich der Abstand zum OECD-Durchschnitt. Umgekehrt lässt sich das leicht überdurchschnittliche Abschneiden in der Alltagsmathematik auf Stärken im oberen Leistungsbereich zurückführen.

Betrachtet man die verschiedenen Länder im Vergleich zeigt sich, dass die Kompetenzwerte der meisten Länder recht homogen sind. So liegen die Lesekompetenzwerte von mehr als der Hälfte der Länder in einer Spanne von fünf Punkten um den OECD-Mittelwert. Mit Abstand die höchsten Werte in der Lese- und alltagsmathematische Kompetenzen erzielt Japan; die niedrigsten Werte erreichen Spanien und Italien.

Stärker noch als die Länder untereinander unterscheiden sich verschiedene Bevölkerungsgruppen innerhalb der Länder. Nicht überraschend unterscheiden sich besonders deutlich Personen mit einem unterschiedlichen Bildungsabschluss: So haben – über alle Länder hinweg – Personen mit einem niedrigen Abschluss im Mittel geringere Kompetenzen. Besorgniserregend aus deutscher Perspektive ist in diesem Zusammenhang, dass mehr als die Hälfte der Personen mit maximal einem Hauptschulabschluss nur über sehr geringe Lese- und alltagsmathematische Kompetenzen verfügen. Aufgrund der sehr geringen Grundkompetenzen und des niedrigen Bildungsabschlusses ist zu befürchten, dass diese Personengruppe geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat und somit ebenfalls vergleichsweise geringere Möglichkeiten die Grundkompetenzen im beruflichen Kontext weiterzuentwickeln.

Zwar wurden in PIAAC keine berufsspezifischen Kompetenzen erfasst, die Ergebnisse zeigen jedoch, dass höhere Grundkompetenzen mit Arbeitsmarkterfolg einhergehen. So zeigt sich, dass höhere Grundkompetenzen für die Teilhabe am Arbeitsmarkt relevant sind: Erwerbstätige weisen im Mittel höhere Grundkompetenzen auf als Nicht-Erwerbspersonen oder Erwerbslose. Personen mit geringeren Kompetenzen haben demnach ein erhöhtes Risiko erwerbslos zu sein. Daneben zeigt sich, dass Personen mit höheren Kompetenzen im Mittel auch mehr verdienen, als Personen mit geringeren Kompetenzen. Auch der Bildungshintergrund der Eltern spielt im Erwachsenenal¬ter eine Rolle für Kompetenzunterschiede. Besonders in Deutschland, nur noch übertroffen von den Vereinigten Staaten, besitzen Personen deren Eltern einen niedrigeren formalen Bildungsabschluss haben, auch im Erwachsenenalter geringere Kompetenzen, als Personen deren Eltern einen höheren Abschluss haben.

Insgesamt betrachtet zeigen die Ergebnisse von PIAAC deutlich Parallelen zu den PISA-Ergebnissen der letzten Jahre. Wie in PISA 2000 zeigt sich in PIAAC eine im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Lesekompetenz. Diese ist insbesondere auf Schwächen im unteren Leistungsbereich zurückzuführen. Ebenfalls wie in PISA ist in Deutschland der Effekt der sozialen Herkunft besonders stark ausgeprägt.

Ähnlich wie in den aktuellsten Ergebnissen von PISA, welche Anfang Dezember veröffentlicht wurden, ist auch in PIAAC ein positiver Trend in der Lesekompetenz zu erkennen: Betrachtet man die Lesekompetenz der jüngsten Gruppe, nämlich 16- bis 24-Jährigen, im internationalen Vergleich zeigt sich ein positiveres Bild aus deutscher Perspektive: Die Jüngsten erzielen im Mittel deutlich bessere Lesekompetenzen, welche sich nicht mehr vom internationalen Durchschnitt unterscheiden.

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Gastbeitrag: Prof. Dr. Anke Grotlüschen: PIAAC und die Folgen. Eine unautorisierte Einschätzung der Diskussion.

11.11.2013 Hirschmann Abgelegt in Bildung, Bildungsbericht, Bildungsforschung, Bildungspolitik, Chancengleichheit, Diskussion, Erwachsenenbildung, Forschung, Kompetenz, Lebenslanges Lernen, NEPS, PIAAC, Weiterbildung | Kommentieren » |

Wir vom BLOG des Deutschen Bildungsservers freuen uns, dass

Prof. Dr. Anke Grotlüschen, Universität hamburg

 

Prof. Dr. Anke Grotlüschen, Professorin für Lebenslanges Lernen
an der Universität Hamburg

 

 

auf unsere Bitte hin, als Gastautorin in diesem Forum eine Betrachtung zu den Ergebnissen, Stellungnahmen und politischen Konstellationen rund um das “Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) veröffentlicht. Herzlichen Dank an Frau Grotlüschen und hier ihr Beitrag:

1. Ergebnisse
(Quelle: Beatrice Rammstedt (Hg.): Grundlegende Kompetenzen Erwachsener im internationalen Vergleich. Ergebnisse von PIAAC 2012. Online auf den Seiten der GESIS www.gesis.org/piaac).
Deutschland liegt im Mittelfeld, teilweise unter dem Durchschnitt, auf jeden Fall nicht in einem Bereich der Dichter und Denker. Die Selektionsweltmeisterschaft geht zwar an die USA, aber Deutschland belegt den zweiten Platz, wenn man die soziale Herkunft und die Kompetenzen in ein Verhältnis zueinander setzt. Die Selektivität der Weiterbildungsteilnahme ist in Deutschland hingegen extrem hoch, Menschen auf dem Lese-Level 4/5 haben eine dreimal so hohe Wahrscheinlichkeit, an Weiterbildung teilzunehmen, wie Menschen auf dem Lese-Level 1 (70% vs. 28%). Menschen mit geringen Kompetenzen finden in Deutschland offenbar viel zu wenige Chancen, in Weiterbildung – vor allem auch im Betrieb – einzumünden.
Verdrängt haben wir zudem die Frage, wie das Älterwerden mit Kompetenz zusammenhängt. Die Kohorte ab 45 Jahren ist im Mittel weniger kompetent als die Jüngeren. Dem strukturellen Kompetenznachteil dieser Kohorten kann offenbar durch Weiterbildung entgegengewirkt werden. In einer alternden Gesellschaft ist dies auch von Bedeutung, um dem biologischen Altersabbau entgegenzuwirken.
Wenn man diese Faktoren – geringe Kompetenz und höheres Lebensalter – zusammennimmt, wird auch deutlich, dass eine erhöhte Investition in Schulbildung allein keine Lösung sein kann. Ein Drittel der Bevölkerung ist über 50 Jahre alt, soll noch weitere 15 Jahre arbeiten, wird noch jahrzehntelang wählen, Enkelkinder betreuen und Pflegeaufgaben übernehmen. Weiterbildung scheint den Kompetenzabbau verlangsamen zu können.
Kompetenzen werden gebraucht, so die Datenlage. Mathematisches Alltagswissen geht mit Erwerbstätigkeit und Einkommen sogar noch höher einher als die Lesekompetenz. Allerdings sind auch Kompetenzen in der Bevölkerung vorhanden, die im Erwerbsleben nicht hinreichend genutzt werden. Deutschland ist zugleich ein Land hoher Ermessensspielräume bei der Arbeit. Die Voraussetzungen sind insofern gut, dem Verkümmern ungenutzter Kompetenzen entgegen zu treten.

2. Diskurs hier und anderswo
Die nachfolgenden Eindrücke basieren auf Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen im Ausland. Sie sind nicht gegengeprüft, können aber aufzeigen, dass teilweise völlig andere Themen aufgeworfen werden als in Deutschland. England sorgt sich z.B. darum, dass im Kohortenvergleich Ältere und Jüngere dicht beieinander liegen. Dies wird als schlechte Schulpolitik bewertet, tendenziell wird die Vorgängerregierung (Labour) dafür verantwortlich gemacht. Die Weiterbildungsstrategie (Skills for Life) der fraglichen Vorgängerregierung wird offenbar nicht wieder aufgenommen.
In Dänemark werden die Versuche der EU problematisiert, in die nationale Bildungspolitik einzugreifen, auch kritisiert man die zunehmende Individualisierung von Weiterbildung, Bildungsberatung und Karriere.
Frankreich erlebt sich als eines der Schlusslicht-Länder und ist nicht stolz darauf. Man hatte seinerzeit am International Adult Literacy Survey nicht weiter teilgenommen, als sich ähnliche Ergebnisse abzeichneten. Die damals initiierte französische Literalitätserhebung hat ein nach wie vor weitreichendes Echo in Politik, Medien und Praxis. An der PIAAC hat Frankreich nach meiner Einschätzung nur aufgrund einer eigenartigen politischen Konstellation teilgenommen. Frankreich hat erhebliche Vorbehalte gegenüber der monopolistischen Testverwaltung durch das US-amerikanische Institut ETS.
Die USA wiederum melden sich aufgrund des Shutdown zunächst noch gar nicht zu Wort, der nationale PIAAC-Bericht musste insofern auch auf die Veröffentlichung warten. Das Nachbarland Kanada diskutiert hingegen die mangelnde Passung von Kompetenzen und Berufstätigkeit und die Digitale Literalität.

3. Mediales Echo in Deutschland
Die Akteure der PIAAC haben die Medien am Vortag informiert und auf die Einhaltung einer Embargo-Frist vertraut. Die Studie wurde in Deutschland am selben Abend in den Hauptnachrichten gesendet, erreichte den „Spiegel Online“ mit einer Teaser-Meldung am Vortag und einem Hauptartikel sofort nach der Publikation der Daten, landete auf dem Titel der „Zeit“ und befindet sich in jedem überregionalen Printmedium. Anders als bei LEO gab es offenbar keine kurze Presseagentur-Meldung, die sich überallhin fortgesetzt hat – dafür aber erheblich mehr eigens recherchierte und formulierte Langberichte. Die Kommentierung in Tagesschau und Tagesthemen wurde von der OECD, dem DVV und dem DGB vorgenommen, unisono mit einem Fokus auf Weiterbildung. Einzelstimmen weisen darauf hin, dass die Schulpolitik ihre Hausaufgaben erfolgreich gemacht habe. Auch daraus kann man schließen, dass es nun eher um Weiterbildung gehen sollte.

4. Forderungen der OECD
Forderungen gibt es reichlich, allein die Folien des OECD-Repräsentanten Andreas Schleicher enthalten eine Serie an Vorschlägen. Man könne beispielsweise von erfolgreichen Ländern lernen, dass sie flexiblere Arbeitsmärkte haben. Dass sie weniger auf Berufsqualifikation und mehr auf die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen setzen. Dass sie mit individueller Bildungsberatung die Passung verbessern. Problematisch ist daran die Kausalität, die hier vorausgesetzt wird. Für kausale Zusammenhänge helfen keine Daten, sondern Theorien. Und die Theorie, die besagt, Flexibilisierung, Individualisierung und Deinstitutionalisierung sorge für bessere Jobs und besseres Leben, kennt man als Neoliberalismus.
Erkennbar sind aber auch marktwirtschaftliche Interessen der Testhersteller. Neben den bevölkerungsweiten Tests im Quer- und Längsschnitt ist auch die individuelle Testung, etwa zum Zwecke der Anerkennung von Kompetenzen oder zur Studienzulassung, zu einem Markt weltweit handelbarer Bildungsdienstleistungen geworden. Mit dem Titel „Education and Skills online“ liegt ein kostenpflichtiger PIAAC-Individualtest vor, der 2014 ans Netz geht. Deutschland hat sich nicht daran beteiligt, aber in den angloamerikanischen Ländern ist zu erwarten, dass Studienzulassung, Bildungstitel-Vergabe und Einstellung nach und nach von solchen Tests Gebrauch machen werden.
Die OECD versucht m.E., Deutungshoheit über das Bildungs- und Weiterbildungssystem zu gewinnen. Die online übertragene Vorstellung der Ergebnisse durch den OECD Generalsekretär José Angel Gurría machte deutlich: Die OECD bietet der EU eine Kooperation an, bei der sie für jedes EU-Land die Datenauswertung unterstützten werde und eine „road map“ für die bildungspolitischen Veränderungen vorschlagen werde. Da die EU eigentlich kraft Vertragswerk überhaupt keine bildungspolitische Kompetenz hat, ist es dramatisch genug, dass sie sich im Wege des Soft Law von Bologna über Lissabon in die Länderpolitik eingeschlichen hat. Immerhin besteht die EU-Kommission aber noch aus gewählten Vertretungen. Die OECD wird nicht gewählt, sie ist kein bildungspolitisches, sondern ein ökonomisches Institut und sie wird offensichtlich von der EU-Bildungsdirektion mit offenen Armen empfangen. Hier ist es m.E. wichtig, die Unterschiede zwischen den Positionen der OECD und den Positionen des deutschen Konsortiums, v.a. der GESIS, aufmerksam zu beachten.

5. Forderungen der Erwachsenenbildungsorganisationen und Sozialpartner
Die Europäische Assoziation für Erwachsenenbildung flankiert die Ergebnispublikation mit acht Empfehlungen (www.eaea.org/piaac). Sie zielen auf öffentliche Investitionen in Erwachsenenbildung, Motivationskampagnen, Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, die „One Step Up“ Initiative, die Rolle von Erwachsenenbildung in Zeiten der Krise, Etablierung kohärenter Systeme lebenslangen Lernens, Anstrengungen zur Erreichung unterrepräsentierter Gruppen sowie die Kooperation aller relevanten Akteure.
Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung hebt besonders die Korrelation von Beteiligung an lebenslangem Lernen einerseits und der Kompetenz, Gesundheit, Erwerbsbeteiligung, Einkommen sowie sozialer Integration hervor. Hier wird – in Übereinstimmung mit den Interpretationen der OECD – Bildung und lebenslanges Lernen für diese Ergebnisse als ursächlich angesehen.
Der Deutsche Volkshochschulverband fordert Investitionen in die Weiterbildung Geringqualifizierter und kritisiert eine „Bildungsspaltung“ entlang aller relevanten Differenzlinien (Erwerb, Alter, Migration, Elternhaus). Die DVV-Präsidentin Süssmuth kritisiert auch den Rückgang der staatlichen Weiterbildungsförderung als „Irrweg“. Gefordert werden nachholende Schul- und Berufsabschlüsse, eine nationale Dekade für Alphabetisierung, ein großes Nachqualifizierungsprogramm der Arbeitsagentur sowie ein Integrationsprogramm für Zuwanderer über den Sprachunterricht hinaus.
Die Arbeitgeberseite kommentiert die Ergebnisse mit dem Seitenhieb: „Mittelfeld reicht nicht“. Auch der DIHK fordert, in eine bessere Schul- und Weiterbildungspolitik zu investieren.
Der DGB kommentiert: „Soziale Auslese ist die Achillesferse des deutschen Bildungssystems“, kritisiert das „Schattendasein“ der Weiterbildung in der Bildungspolitik und fordert BAFöG-ähnliche Zuschüsse für nachholende Berufsabschlüsse sowie ein bundesweites Weiterbildungsgesetz für bessere Transparenz.
Fazit: So viel Aufmerksamkeit hat die Weiterbildungspolitik in Deutschland lange nicht mehr genossen, auch nicht während der LEO-Publikation. Bleibt zu wünschen, dass der gegenwärtige Drall nicht zu weiterer Delegation der Verantwortung an die Individuen führt, denn die EU-Kommissarin Vassiliou sagte zu Recht: „We’re in this together.“

 

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DIE, DVV, BIBB, BMBF und EAEA: Stellungnahmen zu PIAAC

14.10.2013 Hirschmann Abgelegt in Befragung, Berufliche Weiterbildung, Bildung, Bildungsbericht, Bildungsforschung, Bildungspolitik, Diskussion, Erwachsenenbildung, Europa, Forschung, Internationaler Vergleich, Kompetenz, Lesekompetenz, Mathematik, Medienkompetenz, PIAAC, Volkshochschule, Weiterbildung | Kommentieren » |

Eine Woche nach der Veröffentlichung der PIAAC-Ergebnisse haben sich zentrale Akteure und Institutionen der Erwachsenenbildung bzw. beruflichen Weiterbildung dazu geäußert: das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE), der Deutsche Volkshochschul-Verband e.V., das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und aus europäischer Sicht die European Association of Adult Education (EAEA).
Informationen zu PIAAC, Vidcasts zur Einführung und die Stellungnahmen stehen in dem Dossier des Deutschen Bildungsservers zur Verfügung.


PIAAC – Programme for the International Assessment of Adult Competencies – Pisa für Erwachsene

 

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Jetzt online: Die Ergebnisse zu PIAAC – Programme for the International Assessment of Adult Competencies dem “PISA für Erwachsene”

08.10.2013 Hirschmann Abgelegt in Allgemein, Bildung, Bildungsbericht, Bildungsforschung, BMBF, DIPF, Erwachsenenbildung, Erziehungswissenschaft, Europa, Forschung, Internationaler Vergleich, Kompetenz, Lebenslanges Lernen, Lesekompetenz, Mathematik, Medienkompetenz, NEPS, PIAAC, Qualitätssicherung, Weiterbildung | Kommentieren » |


 
 
 
Die PIAAC-Studie steht jetzt online zur Verfügung.
Die vollständige 232 Seiten umfassende Studie:
Grundlegende Kompetenzen Erwachsener im internationalen Vergleich – Ergebnisse von PIAAC 2012

Eine 28-seitige Kurzfassung mit einer Auswahl an zentralen Ergebnissen:
PIAAC 2012 – die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Parallel zu den PISA-Erhebungen hatte die OECD ein Programm entwickelt, das sich ländervergleichend mit den Kompetenzen von Erwachsenen befasst. Das Programm trägt den Namen “Programme for the International Assessment of Adult Competencies” kurz PIAAC und die Ergebnisse aus dieser Erhebung, dem “PISA für Erwachsene”, stehen jetzt online zur Verfügung.
An der Erhebung waren 24 Länder beteiligt und es wurden 4 verschiedene Kompetenzbereiche untersucht:
- Lesekompetenz
- Grundlegende Komponenten der Lesekompetenz
- Alltagsmathematische Kompetenz
- Technologiebasiertes Problemlösen
Mit dem nationalen Projektmanagement von PIAAC in Deutschland hat das BMBF die GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften beauftragt. Unterstützt wird die GESIS durch die TBA-Gruppe des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), die die Entwicklung der computerbasierten Testplattform übernommen hatte.

 

Neben der Veröffentlichung der Ergebnisse stellt der Deutsche Bildungsserver in seinem Dossier zu PIAAC außerdem weiterführende Informationen zur Verfügung.

 
 

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Ab heute online: “Bildung in Deutschland” – Bildungsbericht 2012 mit dem Schwerpunktthema Kulturelle Bildung im Lebenslauf

22.06.2012 Hirschmann Abgelegt in Bildung, Bildungsbericht, Bildungsforschung, Bildungspolitik, DIPF, Diskussion, Evaluation, Kulturelle Bildung, Statistik | Kommentieren » |

Mit dem Bildungsbericht 2012 legt eine unabhängige Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) zum vierten Mal die umfassende empirische Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens vor.
Zur Autorengruppe des zweijährlich herausgegebenen Standardwerks für eine datengestützte Beratung der Bildungspolitik gehören neben dem DIPF das Deutsche Jugendinstitut (DJI), die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Destatis und StLÄ).
Die Erarbeitung des Berichts „Bildung in Deutschland 2012“ wurde von der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
2012 behandelt der von der Autorengruppe kontinuierlich weiterentwickelte Bericht in einem Schwerpunktkapitel die kulturelle Bildung im Lebenslauf.

Alle Internetquellen auf einen Blick:
Onlinemagazin Bildung + Innovation:
Interview mit Prof. Dr. Horst Weishaupt
vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), der gemeinsam mit seinem Team für die Leitung und Koordinierung des nationalen Bildungsberichts verantwortlich war.

Portal zum Bildungsbericht.
Der 4. Bildungsbericht (2012) – komplette Fassung (PDF-Dokument, 360 Seiten)
Wichtige Ergebnisse aus dem 4. Bildungsbericht im Überblick (PDF-Dokument, 13 Seiten)
Dossier des Deutschen Bildungsservers:
“Bildung in Deutschland” – Bildungsbericht 2012 mit dem Schwerpunktthema Kulturelle Bildung im Lebenslauf
Dossier des Deutschen Bildungsservers:
Kulturelle Bildung in Deutschland

 

 

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Video-Dokumentation zum Bildungsbericht 2010

20.10.2010 Blees Abgelegt in Bildungsbericht, Bildungsforschung, Bildungspolitik, BMBF, Demographie, KMK, Podcast, Tagung, Vidcast | Kommentieren » |

Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) hat eine Video-Dokumentation der Anfang Oktober abgehaltenen Fachtagung zum dritten Nationalen Bildungsbericht 2010 erstellt. Die Dokumentation steht auf dem Portal des Bildungsberichts als Vidcast zur Verfügung. Auf der Fachtagung stellte das für den Bildungsbericht federführend verantwortliche DIPF gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Autorengruppe die Ergebnisse des Bildungsberichts 2010 vor. Er erscheint alle zwei Jahre und ist eine umfassende Bestandsaufnahme des deutschen Bildungssystems. Die Tagung wurde von der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt, in deren Auftrag auch Bildungsbericht und Vidcast erstellt wurden.
Zu Beginn der Tagung erläuterte der Sprecher der Autorengruppe, Professor Horst Weishaupt vom DIPF, zentrale Befunde des im Juni vorgelegten Bildungsberichts, der in einem Schwerpunktkapitel das Bildungswesen unter dem Gesichtspunkt des demografischen Wandels betrachtet. Die Vortragsaufzeichnung ist in diesem Blogbeitrag zu sehen.
Auf den Plenarvortrag folgten zahlreiche Referate der Autorengruppe zu Themen wie „Qualifzierungsstrategien für den Arbeitskräftebedarf der Zukunft“ oder „Bildungsfinanzierung“. Die Themen wurden im Rahmen von Arbeitsgruppen und anschließend im Gesamtplenum mit weiteren Expertinnen und Experten kontrovers diskutiert. Die Video-Dokumentation umfasst sämtliche Tagungsbeiträge. Ausgewählte Expertenbeiträge werden in den nächsten Wochen hier im bildungsserverBlog in loser Folge veröffentlicht werden.

 

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Die Situation der Kindertagesbetreuung in Deutschland – Aktuelle Daten

02.07.2010 AV Abgelegt in Bildungsbericht, Bildungspolitik, Eltern, Familienpolitik, Forschung, Frühkindliche Bildung, Kinderbetreuung | 2 Kommentare » |

„Bis zum Jahr 2013 wird es bundesweit im Durchschnitt für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz geben – rund ein Drittel der neuen Plätze werden in der Kindertagespflege geschaffen. Im gleichen Jahr wird jedes Kind mit Vollendung des ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf Förderung in einer Kindertageseinrichtung oder in der Tagespflege haben.“ So erläutert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf seiner Website Regelungen aus dem Kinderförderungsgesetz (KiföG) von 2008 zum Thema Ausbau der Kindertagesbetreuung.

Um beurteilen zu können, wie weit die Umsetzungen dieses Vorhabens bislang gediehen sind, lohnt sich ein Blick auf die kürzlich bekannt gewordenen Zahlen unter anderem aus dem Bildungsbericht 2010 und dem Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme:

Aus dem Bildungsbericht 2010 geht hervor, dass bei den Betreuungsangeboten für Kinder in den Jahren 2006 bis 2009 die Gruppen für unter 3-Jährige am stärksten ausgebaut worden sind. In einem regionalen Vergleich für 2009 der Statistischen Ämter wird konstatiert, dass „wie bereits im Jahr zuvor in drei der fünf ostdeutschen Länder, nämlich in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sowie zusätzlich in Berlin, alle Kreise eine Betreuungsquote bei den unter 3-Jährigen von 35 % aufweisen konnten und größtenteils sogar deutlich überschritten haben.“ Trotz dieser erfreulichen Entwicklung liegt Deutschland mit 20 % im Jahr 2008 allerdings immer noch unter dem europäischen Durchschnitt von 25 %. Hier besteht offensichtlich vor allem in Westdeutschland noch deutlicher Aufholbedarf. Auch Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2013 ergeben, dass noch erhebliche Kraftanstrengungen nötig sind, um das im KiföG festgehaltene Ziel zu erreichen.

Zur gegenwärtigen Umsetzung des Rechtsanspruchs des Kindes auf einen Betreuungsplatz gibt der Ländermonitor 2010 der Bertelsmann Stiftung Aufschluss. Bislang gilt in allen Bundesländern noch der Rechtsanspruch ab 3 Jahren – mit Ausnahme von Thüringen und Rheinland-Pfalz (jeweils ab 2 Jahren). Auch auf diesem Feld gibt es also noch einiges zu tun.

Interessant sind schließlich auch die Entwicklungen bei der Beitragsfreiheit von Kitaplätzen. Zunehmend mehr Bundesländer gewähren Eltern eine Beitragsfreiheit mindestens für das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung. Schleswig-Holstein schlägt hier den entgegen gesetzten Weg ein: „Eltern in Schleswig-Holstein müssen vom 1. August 2010 an wieder für alle Kindergarten-Jahre bezahlen. Das hat der schleswig-holsteinische Landtag am 18. Juni 2010 beschlossen. Damit entfällt die seit August 2009 geltende Gebührenfreiheit für das letzte Kindergarten-Jahr vor Schuleintritt.“ Dies dürfte Anlass sein für Diskussionen.

Studien und Berichte:
Kapitel “Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung” im Bildungsbericht 2010
Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2010, hier zu Rechtsanspruch des Kindes auf einen Betreuungsplatz sowie Beitragsfreiheit
Kindertagesbetreuung regional 2009. Ein Vergleich aller 413 Kreise in Deutschland, herausgegeben von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder
Kinder in Kindertageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege in Deutschland – Modellrechnungen für das Jahr 2013 des Statistischen Bundesamtes

Informationsseite des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Kinderbetreuung

Zur Beitragsfreiheit:
Informationen der Landesregierung Schleswig-Holstein
Artikel im NDR

Zahlen zur Kindertagesbetreuung im Deutschen Bildungsserver

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Der 3. Bildungsbericht

17.06.2010 Joerg M. Abgelegt in Bildung, Bildungsbericht, Bildungspolitik | 1 Kommentar » |

Der Bildungsbericht 2010 im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurde heute vorgestellt.
Der indikatorengestützte Bericht ist eine alle Bereiche des Bildungswesens umfassende aktuelle Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens. Positive Entwicklungen sind vor allem im Ausbau der Krippenbetreuung, in der steigenden Schulbesuchsquote von Gymnasien, im Rückgang des Anteils der Schulabsolventinnen und -absolventen ohne Hauptschulabschluss, in der Verringerung des Anteils der Jugendlichen, die nach einem Schulabschluss zunächst keine schulische und berufliche Ausbildung beginnen können und dem Anstieg der Studienanfängerinnen und -anfänger und Hochschulabsolventinnen und -absolventen zu erkennen.
Dagegen sind weiterhin Herausforderungen für die Bildungspolitik in der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu bewältigen. Ebenso problematisch ist das Finden eines Berufsausbildungsplatzes für Jugendliche ohne allgemeinbildenden Schulabschluss und mit Hauptschulabschluss. Hier sind auch wieder besonders ausländische Jugendliche betroffen. Weitere Herausforderungen liegen darin, dass fast jedes dritte Kind unter 18 Jahren in sozialen oder finanziellen Risikolagen oder bildungsfernen Elternhäusern aufwächst. Auch bei der Weiterbildungsteilnahme bestehen große soziale Ungleichheiten bezüglich der Teilnahme und beträchtliche regionale Disparitäten in den Angeboten der öffentlichen Hand.
Schwerpunktthema dieses Bildungsberichts waren die Perspektiven des Bildungswesens im demografischen Wandel. Bis 2025 reduziert sich die Anzahl der Bildungsteilnehmerinnen und Bildungsteilnehmer um 15 Prozent, was einen erheblichen Umbaubedarf des Bildungssystems in den nächsten Jahren verursacht. Insofern wird eine dauerhaft hohe politische Priorität für Bildung bei Bund, Ländern und Gemeinden gesehen.

Weitere Informationen zum Bildungsbericht 2010:
Presseinformation zum Bildungsbericht 2010
Ergebnisse des 3. Bildungsberichts im Überblick
Onlineversion des Bildungsberichts 2010
Homepage der Bildungsberichterstattung

Interview mit Prof. Dr. Horst Weishaupt zum Bildungsbericht 2010 in “Bildung + Innovation

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