Diskussion um Aufgaben von Lehrkräften nach dem Amoklauf von Winnenden

13.03.2009 Joerg M. Beitrag in der Kategorie Diskussion, Lehrerberuf | 1 Kommentar » |

Nach dem Amoklauf von Winnenden warnt der Deutsche Lehrerverband (DL) in einer Presseerklärung vor monokausalen Erklärungsversuchen und Patentrezepten in solchen Situationen.
Der DL fordert in diesem Zusammenhang, dass mehr professionelles psychologisches Personal in den Schulen gebraucht wird. Schulische Erziehung durch die Lehrkräfte wird allein exzessive Gewalt und die Entwicklung von Gewaltbiografien nicht verhindern können. Aber in der öffentlichen Diskussion wird bei aller Betroffenheit und Trauer um die Toten vor allem nach jemandem gesucht, der Verantwortung für den Amoklauf von Winnenden und am besten auch für alle anderen übernimmt. Eine Stigmatisierung der Lehrerinnen und Lehrer, die neben der allgemeinen erzieherischen Leistung vor allem daran arbeiten, Schülerinnen und Schülern fachliche Fertigkeiten und Wissen zu vermitteln, wäre zum wiederholten Mal das falsche Signal. Der DL versucht in seiner Presseerklärung auch in diesem Sinne eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu begründen. Bleibt dennoch die Frage, ob die Gesellschaft eine Erweiterung der Aufgaben von Lehrkräften fordert? Dann müsste auch akzeptiert werden, dass andere Bereiche des bisherigen Aufgabenspektrums von Lehrkräften zumindest reduziert werden. Und dies würde vermutlich die fachlichen Aufgaben betreffen. Mit Blick auf Bildungsstandards und internationale Schulleistungsvergleiche wird das wohl kaum in Frage kommen.


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  • Ein Kommentar auf “Diskussion um Aufgaben von Lehrkräften nach dem Amoklauf von Winnenden”

    1. Mia L. sagt:

      Ich glaube nicht, dass es sich hierbei um einen Schuldvorwurf an die Lehrkräfte handelt. Vielmehr wollte man (wie leider immer) die Verantwortung in Zukunft auf diese abschieben. Meiner Meinung nach KÖNNEN die Lehrkräfte eine entsprechende Betreuung gar nicht bieten, weil sie (1) nicht hinreichend dafür ausgebildet werden, (2) nicht die zeitlichen Kapazitäten haben (wie im Einführungstext genannt, würde dies eine Reduktion der Unterrichtsaufgaben erfordern) und (3) nicht als objektive, außenstehende Personen zu betrachten sind. Denn meiner Meinung nach ist gerade der letzte Punkt sehr wichtig. Ein Schüler kann sich nicht dem Lehrer anvertrauen, mit dem er Probleme hat. Die psychologische Betreuung muss unbedingt durch Fachpersonal geschehen, dass nicht in den Unterricht eingebunden ist und von den Jugendlichen akzeptiert wird. Wenn hierfür aber nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, schlage ich vor, dass die Schüler selbst die Initiative ergreifen. Man könnte Vertrauensschüler wählen, die 1-5 weitere Schüler betreuen (so dass möglichst jeder Schüler die Möglichkeit bekommt, Vertrauensschüler zu sein). Diese könnten eine kleine Ausbildung bekommen und die Aufgabe, sich mit ihrem “Schützling” alle 1-3 Wochen (z.B.) zu treffen und ihn besser kennenzulernen. Auf diese Weise würden Schüler für Schüler Verantwortung übernehmen. Es gäbe gleichzeitig ein enges soziales Netz, das es erlaubt, den psychischen Zustand eines jeden Schülers zu verfolgen. Wenn nun ein Schüler ernste Probleme hat, kann der Vertrauensschüler als Vermittler dienen und ihn/sie an psychologisch geschulte Fachkräfte weiterleiten. Ich glaube, dass auf diese Weise zum Einen ältere Schüler lernen, Verantwortung für jüngere zu übernehmen (darin vermute ich großes Potenzial für die Persönlichkeitsbildung, insbesondere für die introvertierten Einzelgänger, die sich nicht wertgeschätzt fühlen) und gleichzeitig, die Jüngeren einen Ansprechpartner haben, den sie respektieren, der ihnen näher steht als ein Lehrer und ihnen so leichter zugänglich für ihre Sorgen und Probleme erscheint. Ist denn das Hilfsangebot aus Erfurt nicht ein Zeichen, dass Schüler füreinander einstehen in der Not? Ich glaube an das Potenzial für ein friedliches Miteinander unserer Jugend und genau dieses sollten wir suchen und nutzen.

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