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Missbrauchsskandale an Kloster- und Eliteschulen – welche Konsequenzen werden gezogen?

25.03.2010 AV Beitrag in der Kategorie Allgemein, Diskussion, Eltern, Erziehungswissenschaft, Frühkindliche Bildung, Gewaltprävention, Interview, Jugendschutz, Kinderbetreuung, Kirche, Lehrerberuf, Missbrauch, Schule | Kommentieren » |

In diesen Tagen häufen sich die Nachrichten über sexuelle Übergriffe von Priestern und Lehrern gegenüber Kindern und Jugendlichen. Diejenigen, deren oberstes Gebot das Wohl des Kindes sein sollte, werden zu jenen, vor denen geschützt werden muss. In dieser verallgemeinernden Formulierung wird der überwiegenden Mehrheit der Pädagogen und Geistlichen unrecht getan, indem man sie unter einen Generalverdacht stellt. Aber das zweifellos größere Unrecht widerfährt all denjenigen Kindern und Schülern, die von ihren Vertrauenspersonen missbraucht werden. Genauso wie bei sexueller Gewalt in der Familie zerstören auch in diesen Fällen gerade die Bezugspersonen der Kinder deren (Selbst-) vertrauen und traumatisieren diese häufig für das ganze weitere Leben.

Nach den Missbrauchsfällen in katholischen Schulen kam an der renommierten Odenwaldschule Schockierendes ans Tageslicht – auch hier missbrauchten Lehrer ihre Schützlinge. Zuletzt wurden Missbrauchsfälle an der angesehenen Helene-Lange-Schule in Wiesbaden bekannt. Wie bei den Klosterschulen von der katholischen Kirche entschlossenes Handeln gefordert wird, so sind nun die Erziehungswissenschaftler gefragt, Stellung zu beziehen. Mit der Odenwaldschule ist die Reformpädagogik in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Die Frankfurter Rundschau titelte hierzu „Beredtes Schweigen“. Mitte März hat sich die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) auf dem DGfE-Kongress in Mainz mit einer „Stellungnahme zur Verletzung der psychischen und physischen Integrität von Heranwachsenden in pädagogischen Institutionen“ zu Wort gemeldet.

Die derzeit an die Öffentlichkeit kommenden Missbrauchsfälle liegen schon etliche Jahre zurück. Das hat eine breite Debatte über die Verjährung dieser Straftaten ausgelöst.

Doch hier stellt sich nicht nur die Frage nach dem Umgang mit der Vergangenheit und ob solche Straftaten überhaupt verjähren können, sondern ebenso, wie zukünftig sexuelle Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen verhindert werden kann.

Das Bundeskabinett hat am 24. März die Einrichtung des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“ beschlossen. Der Runde Tisch wird erstmalig am 23. April unter dem gemeinsamen Vorsitz von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger tagen. Die Kultusministerkonferenz hat eine Handlungsstrategie gegen sexuellen Missbrauch festgesetzt.

Jenseits der Politik müssen alle, die mit Kindern leben und arbeiten, dafür Sorge tragen, dass diese stark und selbstbewusst genug sind, nicht zu Missbrauchsopfern zu werden. Prävention heißt, den Kindern schon früh zu vermitteln, dass sie NEIN sagen dürfen und ihnen ihr Körper selbst gehört. Die Pädagogin Gisela Braun beschäftigt sich seit rund 25 Jahren mit dieser Thematik und hat sich in einem Interview im Deutschlandradio Kultur dazu geäußert.


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