„Qualitativ sehr viel bessere Ergebnisse als Google“

Der Deutsche Bildungsserver hat den Anspruch, lebensbegleitend über Bildung zu informieren. Eine solche Bandbreite von Themen erfordert die Zusammenarbeit mit fachkompetenten Partnern. Das umfangreiche Angebot zum Thema Schule beispielsweise wäre nicht denkbar ohne die Kooperation mit dem FWU, dem Medieninstitut der Länder.

Dr. Friedhelm Schumacher

Dr. Friedhelm Schumacher


 

FRAGEN AN

Friedhelm Schumacher, Leiter der Abteilung Mediendienste beim FWU, über die langjährige Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bildungsserver und ihre Früchte.

 

 

 

Herr Schumacher, wie kam es eigentlich zu der Kooperation zwischen dem Deutschen Bildungsserver und dem FWU?

1995 wurde „Schulen ans Netz“ eröffnet, ein Programm, das den Schulen ursprünglich eine technische Infrastruktur für die Arbeit mit dem Internet bereitstellen sollte. Parallel dazu entwickelten die Länder ein inhaltliches Angebot für Schulen. Ich arbeitete damals für das FWU im Berliner Comenius-Projekt, einem allerersten Mediendistributionsprojekt von fünf Schulen und der damaligen Landesbildstelle, und wurde darauf verwiesen, dass „es da Leute gäbe“ an der Humboldt-Universität, die mit dem Internet arbeiten und ein Angebot für Schulen bereitstellen wollen. So begann die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bildungsserver. Bald darauf nahm ich für das FWU an den Sitzungen der „Bonsai-Gruppe“, den Technikern der Bildungsserver, teil und so ist das FWU langsam in die Projektarbeiten hineingewachsen.

Es wurden also verschiedene bereits laufende Aktivitäten zusammengefasst?

Nach der ersten Projektphase war man sich einig, dass der Deutsche Bildungsserver in eine dauerhafte Struktur überführt werden sollte. Wie häufig im Bildungsbereich gab es dazu sowohl Vorstellungen beim BMBF als auch auf Länderseite.. Letztlich sind die Konzepte – unter Beibehaltung des Namens „Deutscher Bildungsserver“ zusammengewachsen und wanderten gemeinsam unter das Dach des DIPF. Das FWU ist als Wahrer der Interessen der Länder für den Bereich Schule gesehen und in die Rolle des Konsortialpartners beim Bildungsserver eingesetzt worden. Seither gibt es auch eine Sonderfinanzierung für den Schulbereich; sie erfolgt direkt durch die Länder an das FWU und nicht über die Geschäftsstelle des DIPF.

Was zeichnet die Kooperation aus Ihrer Sicht aus?

Mit einem Wort: Vertrauensvoll. Anfangs musste sich natürlich noch einiges zurechtruckeln. Vom FWU aus hatten wir die redaktionelle Betreuung zunächst in Berlin angesiedelt, in räumlicher Nähe zum Technik-Team des Bildungsservers. Wir sind dann aber sehr schnell in die redaktionelle Arbeit des DIPF in Frankfurt hineingewachsen, nehmen an den jährlichen Redaktionssitzungen teil und sind an allen wichtigen Prozessen wie zum Beispiel den Redesigns beteiligt.

Gab es neben der Betreuung des Themenbereichs Schule noch andere gemeinsame Projekte?

Wir haben in der Vergangenheit einige Vorhaben umgesetzt: Die Unterbereiche des DBS „Medien und Bildung“ und „Interkulturelle Bildung“ sind im Rahmen sogenannter „Innovativer Projekte“ entstanden. Besonders hervorheben möchte ich aber das Portal „Lehrer werden“. Ziel war hier, allen am Lehrer-Beruf Interessierten eine zentrale Adresse anzubieten über die sie Informationen zu den unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen finden können – und zwar länderübergreifend.

Ein Beispiel?

Ein Referendar aus Bremen möchte nach Baden-Württemberg umziehen, weiß aber nicht, ob seine Fächerkombination oder bisherigen Ausbildungsabschlüsse auch dort anerkannt werden. Im Portal „Lehrer werden“ kann er recherchieren, ob und gegebenenfalls welche Hürden es zu beachten gibt oder welche konkreten Bedingungen Baden-Württemberg stellt. Wir haben außerdem eine E-Mail-Hotline, über die uns sicherlich 1000 Fragen im Jahr erreichen. Wenn ich die Nutzung des Portals anschaue, sehe ich hier eine Erfolgsgeschichte: Gut ein Drittel der Seitenaufrufe im Bereich Schule entfallen auf diese Seiten!

Welche Themen beschäftigen Sie zurzeit?

Mehr eine Daueraufgabe als ein Projekt ist die Frage nach dem Informationsaustausch und der Qualität der Metadaten im Rahmen unseres gemeinsam mit den Landesbildungsservern betriebenen Austauschdienstes ELIXIER. In den letzten sechs Jahren waren wir dabei immer wieder aufs Neue herausgefordert – zum Beispiel bei der Frage, wie Creative Commons-Lizenzen in die Metadaten eingebunden werden können. Heute denken wir sehr viel über Open Educational Resources (OER) nach; es geht vor allem darum, wie sie gesammelt und recherchierbar gemacht werden können. Das wird auch in der jetzt im November startenden OER-Infostelle am DIPF – bei der wir vom FWU wieder in unserer klassischen Rolle als Vertreter des Schulbereichs als Kooperationspartner dabei sind – gemeinsam vorangetrieben werden.

Open Educational Resources – Wo liegen da aus Ihrer Sicht die Herausforderungen?

Über das grundsätzliche Potenzial von OER für Lehr-Lern-Prozesse ist man sich inzwischen im Allgemeinen einig. Jetzt gilt es, die Nutzung und Erstellung bzw. Bearbeitung von OER konkret voranzubringen. Ein Aspekt ist sicherlich die Arbeit, die in der Sichtung der bisher noch nicht einmal sicher eingrenzbaren Inhalte im OER-Bereich steckt. Auswahl und Qualitätsüberprüfung erfordern einen großen personellen Aufwand, die Arbeit lässt sich nur zu einem geringen Teil automatisieren. Eine Qualitätskontrolle kommt einfach nicht ohne einen Blick auf die Quelle aus – und zwar von einem Menschen. Klar gibt es viele kleine Werkzeuge, die helfen können. Das IT-Team des Deutschen Bildungsservers hat zum Beispiel ein Tool entwickelt, das Vorschläge zur Verschlagwortung liefert. Aber auch diese Vorschläge müssen noch einmal kontrolliert werden. Kein Werkzeug kann einen Prozess zu 100% ersetzen, aber Tools helfen ihn zu vereinfachen. Diesen Qualitätsanspruch müssen wir hochhalten. Denn gerade, wenn die „Landschaft“ so unübersichtlich ist, wie aktuell noch bei den OER, wird der DBS als „Wegweiser“ gebraucht.

Was wünschen sie dem Deutschen Bildungsserver zum 20. Geburtstag?

Dass die Nutzer aus Schulen und anderen Lehr-Lernbereichen auch weiterhin auf ein Instrument zurückgreifen, das qualitativ sehr viel bessere Ergebnisse liefert als Google. Und wenn die Entwicklung so gesteuert wird wie bisher, wird das auch in Zukunft so sein. Und mit Blick auf die Zukunft hat der Deutsche Bildungsserver ein weiteres Plus, das nicht zu überschätzen ist: Er ist verlässlich und werbefrei; es gibt keine versteckten Interessen und die Platzierung in Trefferlisten ist nicht der Werbung oder undurchschaubaren Algorithmen geschuldet.

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