Was haben Bildungsforscher davon, ihre erhobenen Daten zu veröffentlichen?

„Bei Anfragen nach Forschungsdaten verweise ich jetzt einfach ans FDZ Bildung“

Open Data in der Bildungsforschung (3)

Prof. Dr. Katrin Rakoczy, DIPF

Prof. Dr. Katrin Rakoczy, DIPF

 

FRAGEN AN Prof. Dr. Katrin Rakoczy, Wissenschaftlerin in der DIPF-Abteilung Bildungsqualität und Evaluation.
In der Anfangsphase des Forschungsdatenzentrums Bildung hat sie die Datenbestände des DFG-Projekts „Unterrichtsqualität und mathematisches Verständnis in verschiedenen Unterrichtskulturen“, kurz „Pythagoras-Projekt“ an das FDZ Bildung übergeben. Sie findet die Idee einer zentralen Datendokumentation bestechend, der Nachnutzung bestehender Datenbestände steht sie allerdings eher kritisch gegenüber.

 

 

 

Frau Rakoczy, welches und wie viel Datenmaterial haben Sie abgegeben?

Wir haben die Unterrichtsqualität und das mathematische Verständnis in verschiedenen Unterrichtskulturen untersucht. Dazu haben wir in knapp 40 Klassen jeweils fünf Unterrichtsstunden auf Video aufgenommen – drei Stunden zur Einführung in den Satz des Pythagoras und zwei weitere Stunden zu einem anderen Thema. Insgesamt sind das also rund 200 Stunden Videomaterial. Dazu haben wir Lektionsmaterial erarbeitet, das beschreibt, was in jeder Unterrichtsstunde passiert und Basiscodierungen definiert: Welche Sozialform wird angewendet? Fängt die Lehrkraft mit einer Einführung an? Lässt sie die Schülerinnen und Schüler in Gruppen zusammen arbeiten? Das ganze Videomaterial und natürlich die Skalen der Fragebogen für Lernende, Eltern und Lehrkräfte haben wir ans FDZ Bildung gegeben.

Wie kam es zum Entschluss die Daten zur Verfügung zu stellen?

Die Kollegen vom FDZ Bildung haben uns um die Daten und Erhebungsinstrumente gebeten, und die Zusammenarbeit ist da selbstverständlich! Außerdem steckt in den Videoaufzeichnungen wahnsinnig viel Arbeit. Wenn andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Bitte um Material an uns herantreten, können wir einfach ans FDZ Bildung verweisen. Das ist extrem komfortabel!

Das FDZ Bildung als zentraler Ablageort für Forschungsdaten?

Zitat HasselhornDas ist eine reizvolle Zusammenarbeit. Wissenschaftliche Daten unterliegen schon lange einer Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren, um Ergebnisse gegebenenfalls belegen zu können. Und DFG-Projekte werden schon seit 2010 dazu verpflichtet, die erhobenen Daten zur Sekundäranalyse aufzubereiten. Als Wissenschaftlerin ist es hilfreich, seine Bestände ans FDZ Bildung zu geben, damit sie professionell aufbereitet und nach allen Regeln der Kunst recherchierbar gemacht werden. Dadurch ist nicht nur die Dokumentation dessen gewährleistet, was und wie man selbst geforscht hat, auch bei Anfragen muss ich die Datensätze und verwendeten Instrumente nun nicht mehr selbst zusammenstellen und mit individuellen Erklärungen und Einordnungen versehen, damit sie überhaupt richtig genutzt werden können. Ich persönlich finde die Zusammenstellung der Skalen in DaQS jedenfalls sehr hilfreich. Der einzige Makel: Es werden nur Erhebungsinstrumente aus dem deutschsprachigen Raum erfasst und dokumentiert.

Wissen Sie, ob und wie die von Ihnen eingestellten Datenbestände genutzt werden?

Von den Kollegen habe ich gehört, dass es bisher 13 registrierte Nutzer gibt. Unter welchen Hypothesen und Fragestellungen sie die Videos anschauen und analysieren weiß ich leider nicht. Da wäre ich wirklich neugierig, denn ich stelle mir eine Nachnutzung nicht so einfach vor – die Videos wurden ja mit einer bestimmten Intention aufgezeichnet und dahingehend ausgewertet. Und ob sie wirklich ausreichend Analysepotenzial für andere Fragestellungen bieten? Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht richtig vorstellen. Aber wahrscheinlich fehlt mir einfach die Distanz zum Material, das Projekt hatte immerhin eine Laufzeit von sechs Jahren!

Vielen Dank für das Gespräch!

Um die Neugierde unserer Kollegin zu stillen, bitten wir an dieser Stelle die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit den „Pythagoras“-Datensätzen arbeiten, sich bei Katrin Rakoczy zu melden und ihr mitzuteilen, was sie anhand der Daten untersuchen und was sie dabei herausbekommen haben. Vielen Dank!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver


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Ein Gedanke zu „Was haben Bildungsforscher davon, ihre erhobenen Daten zu veröffentlichen?

  1. Bernd Stelzer

    Die Bildungsforschung hat die Aufgabe neue Erkenntnisse zu veröffentlichen, damit Bildung sich in die richtige Richtung entwickelt. Damit tut man sich ja bekanntlich in unserem Land sehr schwer.

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