Kategorie: Open Science

Viel ist derzeit von “Open Science” die Rede. Doch was bedeutet offene Wissenschaft konkret? Und welche Möglichkeiten und Grenzen liegen darin für die Erziehungswissenschaft und die Bildungsforschung? Diese Fragen wollen wir in der neuen Blogreihe ausloten und gleichzeitig nach dem Verhältnis von Open Science und Open Education fragen.

„Studienordnungen der Psychologie sollten unbedingt Open Science-Praktiken enthalten“

Vor allem der wissenschaftliche Nachwuchs begeistert sich für
Offenheit und Transparenz

FRAGEN AN Christian Fiebach, Professor für Neurokognitive Psychologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Fiebach, „treibendes Mitglied“ der Frankfurt Open Science Initiative und Schriftführer im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), beschäftigt sich schon seit längerem damit, wie Instrumente, Methoden und Praktiken von Open Science für die Psychologie angepasst werden können. Vor allem die Prä-Registrierung von Forschungsfragen hält er für sehr wichtig.

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“Das Coole an unserem Projekt ist, dass Laien nicht nur Daten sammeln, sondern selbst wissenschaftlich arbeiten können”

Interlinking Pictura – Citizen Science für bildungshistorisch Interessierte

Unter Citizen Science, deutsch auch Bürgerwissenschaft, versteht man eine Form der Offenen Wissenschaft, bei der Projekte mit oder komplett von interessierten Laien durchgeführt werden. Sie melden Beobachtungen, führen Messungen durch oder werten Daten aus. Im Falle der Interlinking Pictura, einer am DIPF entwickelten virtuellen Forschungsumgebung auf Wiki-Basis, bedeutet das historische Bilder mit weitergehenden Informationen aus dem World Wide Web anzureichern. Als Pilotprojekt wurden Bilder aus dem „Bilderbuch für Kinder“ von Friedrich Justin Bertuch, einem von 1790 bis 1830 entstandenen Lehr- und Sachbuch ausgewählt, die im Bildarchiv Pictura Paedagogica Online der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung digitalisiert und inhaltlich erschlossen zur Verfügung stehen.
GESPRÄCH mit der Leiterin des Projekts Dr. Stefanie Kollmann von der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, die die inhaltlichen Arbeiten an Interlinking Pictura koordiniert hat, und Julian Hocker, der sich als Doktorand der Informationswissenschaft am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation den technischen Arbeiten gewidmet hat.

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„Open Educational Practices sind viel mehr als nur der Einsatz von Open Educational Resources“

Wie mehr Offenheit in der Lehre durch didaktische Szenarien und den Einsatz von OER gelingen kann

FRAGEN AN Kerstin Mayrberger, Professorin für Lehren und Lernen an der Hochschule mit dem Schwerpunkt Mediendidaktik an der Universität Hamburg. Mayrberger beschäftigt sich seit 2002 in unterschiedlichen Projekten damit, wie Bildungsprozesse mit neuen, digitalen Medien gestaltet werden können – in Schule wie Hochschule. Mit Open Education Practices (OEP ) befasste sie sich vor allem im Rahmen des Projekts „SynLLOER – Synergien für Lehren und Lernen durch OER“. Hier erklärt sie unter anderem, in welchem Verhältnis Open Educational Resources (OER) zu Open Educational Practices stehen – also wie sich der Einsatz von OER auf die Lernumgebung auswirkt und wie Lernszenarien aussehen müssten, damit es wirklich zu offenen und partizipativen Lehr-Lernformen im Sinne von OEP kommt.

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„Open Education schafft Mehrwert vor allem da, wo digitale Medien das Lernen überhaupt erst ermöglichen“

Voraussetzung dafür ist ein durchlässiges und flexibles Bildungssystem

FRAGEN AN Professor Olaf Zawacki-Richter von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Der habilitierte Erziehungswissenschaftler gründete am dortigen Institut für Erziehungswissenschaft 2018 das Center for Open Education Research (COER), das sich mit Open Education, Bildungstechnologie, lebenslangem Lernen und internationalen Bildungsfragen auseinandersetzt. Das Ziel des COER: international führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenbringen, um kollaborativ und interdisziplinär Forschungsaktivitäten und Stipendien im Bereich der Bildungsforschung voranzubringen. Wir wollten von ihm wissen, was Open Education bedeutet und womit man sich beschäftigt, wenn man Open Education Research betreibt. Weiterlesen

„Open Science ist im Grunde gute wissenschaftliche Praxis in einem digital vernetzten Zeitalter“

Gute Forschung sollte zugänglich, nachvollziehbar und transparent sein

INTERVIEW mit dem Koordinator des Leibniz-Forschungsverbunds Science 2.0 Dr. Guido Scherp vom Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft. Er findet, dass man auf Open Science unterschiedliche Sichtweisen haben kann, zum Beispiel eine pragmatische aus Sicht des Forschenden, die mehr Effizienz in die Wissenschaft bringt, weil sie Ergebnisse, Daten und Methoden leichter auffindbar und nachnutzbar macht – oder eine strukturelle mit Blick auf das  Wissenschaftssystem, in der er es darum geht, Schieflagen wie ein fehlgeleitetes Publikationssystem oder das Reproduzierbarkeitsproblem zu beheben. Wir sprachen mit ihm über den Unterschied zwischen Open Science und Science 2.0, die Notwendigkeit von offener Wissenschaft, und wie man Forscherinnen und Forscher dazu bringt, die damit einhergehenden Arbeitsprozesse zu beherzigen.

 

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