„Wir haben immer sehr von der fachlichen Expertise im FIS Bildung-Verbund profitiert“

25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (3)

Dr. Albrecht Schöll, ehem. Leiter des Zentralen Dienstes Information – Dokumentation – Bibliothek beim Comenius-Institut


FRAGEN AN
Dr. Albrecht Schöll, der von 1986 bis 2014 Leiter des Zentralen Dienstes Information – Dokumentation – Bibliothek des Comenius-Instituts war. Die evangelische Arbeitsstätte für Erziehungswissenschaft ist eine der fast 30 Partnereinrichtungen des FIS Bildung-Verbunds, die zur FIS Bildung Literaturdatenbank beitragen. Wir sprachen mit Herrn Schöll über die Zusammenarbeit mit dem FIS-Verbund und seine Bedeutung für die teilnehmenden Partner.

 

 

 

 

Herr Dr. Schöll, das Comenius-Institut ist Partner der ersten Stunde im FIS Bildung-Verbund. Seit wann genau?

Ich erinnere mich noch, dass ich zu Beginn meiner Tätigkeit 1986 an Tagungen des „Dokumentationsrings Pädagogik“ teilgenommen habe, dem Vorgänger von FIS Bildung. Damals waren unter anderen noch mein Vorgänger Dr. Karl-Heinz Hochwald und der damalige Leiter der Frankfurter Forschungsbibliothek Hartmut Müller beteiligt. 1992 ist daraus dann der Verbund „Fachinformationssystem Bildung“ entstanden. Das Comenius-Institut war also wirklich von Anfang an dabei.

Welches Segment an Fachliteratur deckt das Comenius-Institut ab?

An die FIS Bildung-Datenbank liefern wir unsere Datensätze der religionspädagogischen Fachliteratur. Wir werten rund dreihundert Zeitschriften aus. Der Bereich der Religionspädagogik wird vollständig abgedeckt und natürlich bearbeiten wir auch noch allgemein die Bereiche Pädagogik, Soziologie und Psychologie. Die Lieferungen aus diesen Disziplinen übernehmen aber die Partner, deren Fachgebiet das ist.

Was verbinden Sie nach der über 25jährigen währenden Zusammenarbeit mit FIS Bildung?

Für mich waren die Tagungen des Verbunds immer am wichtigsten. Sie finden ja ein bis zwei Mal im Jahr statt und geben jedes Mal Impulse und Anregungen für die eigene Arbeit. Ich erinnere mich noch gut an Tagungen zu Beginn der Nullerjahre als die FIS-Kolleginnen und -Kollegen die automatische Indexierung von Schlagworten vorstellten. Sie kamen damals zum Ergebnis, dass dieses Verfahren die intellektuelle Erschließung nicht ersetzen würde. Für uns war das ein sehr wichtiger Hinweis, denn wir hatten lange überlegt, die automatische Erschließung einzusetzen, es daraufhin aber als Option ausgeschlossen. Von solchen fachlich fundierten Einschätzungen haben wir immer wieder profitiert. Andere für mich wichtige Themen waren die Nutzerorientierung in Fachportalen: Welche sind sinnvoll, welche nicht? Auch die Frage wie Informationsportale sinnvoll evaluiert werden können – und natürlich die Idee des „Open Access“. Wir haben recht früh damit begonnen, unsere wissenschaftlichen und anwendungsbezogenen Publikationen als frei verfügbare Volltexte auf unserem Server bereitzustellen, auch gegen die anfängliche Skepsis manches Kollegen, dass dies auf Kosten der Printmedien gehen würde. Eine Sorge, die sich nicht bewahrheitet hat, weil sich beide Veröffentlichungswege oft ergänzen.

Wichtig ist also die informations- oder bibliothekswissenschaftliche Expertise im Verbund?

Ja, denn kleine Institute haben weder Zeit noch Personal, um solches Wissen zu erarbeiten oder aufbauen zu können. Neben dem engen Kontakt und Austausch mit dem FIS-Team war und ist aber auch der Erfahrungsaustausch innerhalb des FIS-Verbunds ganz wichtig. Als Dokumentationsstelle haben wir davon sehr profitiert, weil wir mit den kirchlichen Bibliotheken auch in Verbünden gearbeitet haben und unsere Erfahrungen fruchtbar umsetzen konnten. Über verschiedene Verbundstrukturen bieten wir mit unserem System und unseren Online-Angeboten rund 70 religionspädagogisch ausgerichteten Bibliotheken eine zentrale Infrastruktur. So ermöglichen wir beispielweise auch kleinen Kreis-Mediatheken Angebote, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Wir machen also im Kleinen, das was das Fachinformationssystem Bildung im Großen macht. Und ganz nebenbei, aber nicht unwichtig: Die dabei vertraglich festgelegten Vereinbarungen schützen uns bis heute vor unüberlegten Spareingriffen; wir können uns immer auf Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern berufen.

Was wünschen Sie dem FIS Bildung-Verbund für die Zukunft?

Dass im Rahmen des DIPF-Arbeitsbereichs „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme“ auch weiterhin Projekte bearbeitet werden, die für die Arbeit von kleineren Dokumentationsstellen und Bibliotheken so wichtig sind. Denn die haben weder die Zeit noch die personellen Ressourcen, sich dieses Wissen eigenständig anzueignen. Aber das machen die FIS-Kollegen ja auch weiterhin!

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Herr Schöll!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver


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