„Über die FIS Bildung ist unser Angebot auch in den Bibliotheken der Schweizer Hochschulen bekannt geworden.“

25 Jahre FIS Bildung Literaturdatenbank (5)

Michel Rohrbach, Leiter des Informations- und Dokumentationszentrum (IDES), Schweiz


FRAGEN AN Michel Rohrbach, Leiter des Informations- und Dokumentationszentrum (IDES) der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), dem schweizerischen Pendant zur deutschen Kultusministerkonferenz. Aufgabe von IDES ist es, das föderale Bildungswesen in der Schweiz mit seinen 26 Kantonen zu dokumentieren. Das Akronym, das übrigens in allen vier Schweizer Landessprachen sowie in Englisch funktioniert, steht für „Information Dokumentation Erziehung Schweiz“. Mit Michel Rohrbach sprachen wir über die Bedeutung der FIS Bildung Literaturdatenbank aus Schweizer Perspektive.

 

 

 

Herr Rohrbach, seit wann besteht die Kooperation zwischen IDES und dem Fachinformationssystem Bildung?

Der Vertrag mit FIS Bildung wurde formal 1998 geschlossen, aber wir waren schon vorher am FIS-Verbund beteiligt. „Ordentliches Mitglied“ sind wir also seit genau 19 Jahren. Ähnlich wie das Dokumentationszentrum der KMK richtet sich IDES mit seiner Arbeit eher an der Bildungspolitik und Bildungsverwaltung aus als an der Bildungsforschung. Durch die Führung des Dokumentenservers edudoc.ch und die dadurch entstandene Zusammenarbeit, tragen wir aber auch dazu bei, die Fachliteratur von Einrichtungen der Schweizer Bildungsforschung und Erziehungswissenschaft zu sammeln und zu dokumentieren; dazu gehören beispielsweise die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) oder die Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik (SZH). Beide sind übrigens auch Mitglied im FIS Bildung-Verbund.

Welches Segment an Fachliteratur deckt IDES an der FIS Bildung Literaturdatenbank ab?

IDES dokumentiert hauptsächlich die Strukturen und Entwicklung der Bildungssysteme in den Kantonen der Schweiz, deren Schulgesetzgebung und andere Regelungen. Aber aufgrund der Zusammenarbeit über den Dokumentenserver mit der SKBF und anderen Einrichtungen liefern wir auch Datensätze, die mit Bildungsforschung zu tun haben, etwa Artikel einschlägiger Journals und Monographien. Über diesen Weg können wir die Fachliteratur zur gesamten Bildungsforschung in der Schweiz an die FIS Bildung liefern.

Was haben sie als Schweizer Informations- und Dokumentationszentrum von der Kooperation?

Wir haben von der Zusammenarbeit immer extrem profitiert! Zum einen haben wir über die Mitarbeit an der FIS Bildung Literaturdatenbank die Möglichkeit, unser Angebot auch an den Bibliotheken der Hochschulen und den Instituten für Bildungsforschung und Erziehungswissenschaften bekannt zu machen. Zum anderen macht der regelmäßige Austausch an den Tagungen die Kooperation für uns so attraktiv – dort werden viele für uns relevante Themen behandelt. Ein paar Beispiele: Zu Beginn unserer Zusammenarbeit gab es viele Diskussionen über die Evaluation von IuD-Einrichtungen (Anm. der Red. Information und Dokumentation) in Deutschland. In der Schweiz haben wir zwar ein anderes System der Finanzierung, aber für uns war es sehr wichtig zu sehen, wie sich die deutschen Einrichtungen präsentieren und positionieren: Was machen wir eigentlich genau? Wo liegen unsere Stärken? Auch wenn wir solchen Evaluierungsprozessen nicht unterliegen, haben wir in unserer Arbeit von diesen Überlegungen sehr profitiert. Ein anderer Punkt sind die technischen Entwicklungen: Wir waren in der Schweiz zwar anfangs schneller, weil wir uns in der Lage befanden, selber einen Dokumentenserver mit vergleichsweise wenig finanziellen Mitteln aufzubauen, wurden dann aber schnell überholt von den deutschen Einrichtungen – sie bekamen mehr Mittel und konnten die technische Entwicklung deshalb besser vorantreiben. Und aktuell werden Fragen rund um Forschungsdaten erörtert: Wo und wie können sie eingebettet werden? In welchem Zusammenhang stehen sie mit den Literaturinformationen? Auch das sind für uns relevante Entwicklungen, an denen wir als IDES sonst nicht teilhaben könnten, weil wir nicht im universitären Bereich aktiv sind und uns darum die Anknüpfungspunkte fehlen.

Wie wird die FIS Bildung Literaturdatenbank in der Schweiz wahrgenommen?

Für mich als Schweizer ist es interessant zu sehen, wie die Strukturen der finanziellen Förderung in Deutschland ausgestaltet sind. Zu verfolgen, wie Projekte beantragt werden, welche bewilligt und umgesetzt werden – und welche Entwicklungen daraus erwachsen oder eben auch nicht. Und natürlich ist die FIS Bildung Literaturdatenbank aufgrund ihrer Größe einfach bekannter. Deshalb konnte sie uns auch Türen in den universitären Bereich öffnen; IDES und FIS Bildung ergänzen sich gut. Zum Studienbeginn werden den Studierenden in der Schweiz alle wichtigen nationalen und internationalen Informationssysteme vorgestellt, neben den beiden genannten auch internationale Datenbanken wie ERIC und andere. Allerdings ist es schwer zu sagen, wie stark die Angebote am Ende wirklich genutzt werden.

Was schätzen Sie am FIS Bildung-Verbund – und was wäre aus Ihrer Sicht noch wünschenswert?

Was ich schön finde ist, dass die Leute bei FIS schon lange dabei sind. Dadurch ist der Austausch sehr offen, unkompliziert und von Kontinuität geprägt. Das schätze ich wirklich sehr, und ich gehe auch weiterhin sehr gern zu den Tagungen! Was ich mir noch wünschen würde? Vielleicht einen Austausch mit Kollegen aus anderen benachbarten europäischen Ländern, Italien oder Frankreich wäre interessant. Es könnte von Nutzen sein, sich da noch weiter zu öffnen.

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Herr Rohrbach!


Dieser Text steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver


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